2006 war das Krisenjahr im internationalen Radsport. Mutmaßliche oder nachgewiesene Dopingvergehen von Radprofis haben der Sportart seit Mitte des letzten Jahres erheblich zugesetzt. Der Bund Deutscher Radfahrer, Veranstalter und Teams hatten den Ernst der Lage schnell begriffen und reagiert - ohne eiligen Aktionismus, dafür konsequent und besonnen. Darüber hinaus war allen klar, dass das Dopingproblem keineswegs ein kurzlebiges Phänomen ist, sondern den Radsport vielmehr in seiner Existenz bedroht. Der Weg aus der Krise erfordert deshalb neben kurzfristigen Entscheidungen wie Suspendierungen vor allem Maßnahmen mit nachhaltiger Wirkung: Optimierung von Kontrollen, Erweiterung des Ethikkodexes sowie schärfere Sanktionen bei Verstößen. Zudem verbesserte Aufklärung und Prävention, die bereits in der Nachwuchsarbeit ansetzen. Das Vertrauen in den Radsport kann dabei nur zurück gewonnen werden, wenn die daran beteiligten Kräfte sich als breite Allianz aufstellen. Alle Beteiligten - Fahrer, Teams, Sponsoren, Verbände, Veranstalter und Medien - müssen sich ihrer jeweiligen Verantwortung bewusst werden und alle Möglichkeiten ausschöpfen, die zur Rehabilitation des Radsports beitragen.

Auf Initiative der Upsolut Sports AG und der Vattenfall Europe Hamburg AG haben der Bund Deutscher Radfahrer e.V. (BDR) und der Verband Deutscher Radrennveranstalter e.V. (VDR) die Aktion "BLEIB SAUBER - LIVE CLEAN" ins Leben gerufen.

Deren Ziel ist es, die Forderung vom sauberen Radsport von der Basis aus in den Spitzensport hinein zu tragen, hier langfristig zu etablieren und so wieder für eine positive öffentliche Wahrnehmung zu sorgen. Dabei integrieren bereits alle deutschen Radsport-Veranstalter die Logo-Claim-Kombination in ihren Kommunikationsmitteln und sorgen so für eine starke Verbreitung in der Szene.

Zudem sollen prominente deutsche Radprofis mit unbeflecktem Ruf als Testimonial der Aktion gewonnen werden und ihrerseits als Vorbilder und Mittler fungieren. Schließlich soll das Logo auch von anderen Instanzen des (Rad)Sports - Teams, Verbänden, Veranstaltern, Sponsoren, Sportlern etc. - adaptiert werden können. So fördern diese ihr eigenes Image und sorgen gleichzeitig für eine breite strategische Basis der Aktion.

Zur Umsetzung wird die Logo-Claim-Kombination zunächst auf den Merchandising-Produkten der Vattenfall Cyclassics platziert. Hierzu zählen das offizielle Radkleidungsoutfit (Trikot und Hose) und das offizielle Veranstaltungs-T-Shirt. Zudem ist eine eigene "BLEIB SAUBER -LIVE CLEAN"-Produktlinie entworfen worden, bestehend aus Schweißband, Silikonarmband, Tattoo und Aufkleber.

Sämtliche Überschüsse aus den Verkaufserlösen der Kampagnen-Produkte fließen in einen Radsport-Anti-Doping-Fond, den die Vattenfall Europe Hamburg AG zunächst mit einem Grundstock von 20.000,- Euro ausgestattet hat. Die Aktion folgt zu hundert Prozent dem Non-Profit-Prinzip und dient ausschließlich der nachhaltigen Förderung eines sauberen Radsports in Deutschland, angefangen bei der Nachwuchsarbeit. Je nach Sachlage entscheidet ein Gremium, bestehend aus Vertretern des BDR, des VDR sowie ggf. der Teams (Funktionäre, Fahrer), welche Mittel aus dem Fond für welche konkreten Maßnahmen ausgegeben werden sollen.

 

Fans gegen Doping ­- Eine Initiative von Radsportlern

Was wir wollen und wo wir stehen

Zunächst ist das ganz einfach: Wir wollen einen sauberen (Rad-)Sport. Wir wollen uns über ehrliche Sieger und ebenso ehrliche Verlierer freuen, wir wollen packende Sprints, fulminante Antritte und taktische Meisterleistungen hervorragend eingespielter Teams bewundern, und wir wollen zusehen, wie unsere Heroen des Radsports über sich hinauswachsen und die Grenzen des Machbaren austesten ­ aber sie sollen diese nicht im Namen einer unmenschlichen Rekordjagd künstlich verschieben.

Allzu oft wird die Praxis des Dopings mit dem Sensationshunger des Publikums
legitimiert: Das ist der Ansatzpunkt für unser Anliegen. Wir wollen klar machen, daß die systematische Gefährdung von Gesundheit und Leben der Sportler nicht in unserem Interesse ist, sondern im Gegenteil unserem Verständnis dieser wunderbaren Sportart krass widerspricht. Wir wollen aber auch nicht die Sportler unter Generalverdacht stellen und nach dem zynischen Motto 'Die sind sowieso alle gedopt' unterschiedslos und pauschal verurteilen. Aus einer solchen Haltung können konsequenterweise nur die Abkehr vom Radsport oder sein vollständiger Boykott resultieren ­ und dazu fühlen wir uns außerstande, weil er uns am Herzen liegt.

Wir wollen, indem wir klar Stellung beziehen, denjenigen Rückendeckung und Zuspruch geben, die sauber sind und bleiben wollen. Wir wollen durch unser sichtbares Auftreten dem Faninteresse Stimme und Ausdruck geben, und so im öffentlichen Raum einen Claim abstecken, der den negativ empfundenen Zuständen eine positive Haltung entgegensetzt.Wir wollen den Sportlern unser Vertrauen in ihre Fähigkeiten demonstrieren und gleichzeitig klarstellen, daß dieses Vertrauen nicht blind ist.

Ambitionen, Ziele, Wunschvorstellungen

Wir halten es für wichtig, dieser unter Sportfans weit verbreiteten Meinung Gehör zu verschaffen. Statt vereinzelt und damit ohnmächtig den bedenklichen Entwicklungen im Leistungssport gegenüberzustehen, wollen wir mit dieser Aktion Öffentlichkeit herstellen und einer grundsätzlichen, vom Tagesgeschehen unabhängigen Haltung zum Thema Doping unmißverständlich Ausdruck geben.


Fans gegen Doping
* steht für Spaß am Sport, sowohl aktiv auf dem Rennrad als auch als Zuschauer am Straßenrand.
* steht für das artikulierte Faninteresse an sauberen Leistungen und ehrlichen Erfolgen ­ und zwar nicht nur auf den
vordersten Plätzen.
* steht für die moralische Unterstützung junger Nachwuchssportler.
* unterstellen den Sportlern kein Doping, reagieren aber sensibel auf den Vertrauensbruch im Ernstfall: Doping ist kein Kavaliersdelikt und hat mit Sport nicht viel zu tun!
* wehren sich gegen die Argumentation, das Publikumsinteresse nötige zur Leistungssteigerung mit unerlaubten Mitteln:  Wer dopt, tut das in eigener Verantwortung und in betrügerischer Absicht gegen Kollegen und Fans gleichermaßen.
* ist aber keine moralinsaure Veranstaltung mit erhobenem Zeigefinger. Wir lieben den Radsport und wollen das auch auf diese Art und Weise öffentlich zeigen: Präsenz statt Boykott!

www.fans-gegen-doping.de