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"Sparkassen neuseen classics - rund um die braunkohle"

„Rund um die Braunkohle“ - Ein Blick in die Geschichte

2005 feierte der Radsportklassiker „Rund um die Braunkohle“ sein 50-jähriges Jubiläum. Mit dem Rennen sind Ereignisse und Erinnerungen verbunden, die vielen Menschen auch über die Region hinaus noch gegenwärtig sind.

Eine kleine Betriebssportgemeinschaft, die BSG Aktivist Witznitz, trat 1955 an, um ein Radrennen zu organisieren, das schon mit seinem Namen „Rund um die Braunkohle“ genau auf diese Region, den Südraum von Leipzig, zugeschnitten war. Braunkohle, das „Schwarze Gold“, der Bodenschatz mit dem sich die Menschen hier identifizierten, der ihre Lebensgrundlage war. Und das schon seit Jahrzehnten. Es war ein bescheidener Beginn zehn Jahre nach Kriegsende und es bedurfte noch einmal zwei Jahre Pause bis zum Start des nächsten Rennens am 13. April 1958. Doch das wurde ein Paukenschlag! 40.000 Zuschauer jubelten an dem 32,8 km langen Rundkurs ihren „Stars“ Erich Hagen, Gustav Adolf Schur, Rolf Töpfer u.a. zu. Erstmals war das Rennen mit Friedensfahrt-Kandidaten aus Rumänien auch international besetzt. Der Durchbruch war geschafft!

Gustav Adolf "Täve" Schur

In den folgenden Jahren wurde „Rund um die Braunkohle“ zum wichtigsten Vorbereitungsrennen für die Friedensfahrt – dort fielen die Würfel um die Teilnahme. Auch Frauen stiegen damals auf das Rennrad und kämpften um Sieg und Pokal. Ein Teilnehmerrekord war schon 1959 zu verzeichnen. Über 1.100 Rennfahrer aller drei Leistungsklassen hatten sich gemeldet und stellten die Organisatoren vor anscheinend unlösbare Aufgaben. Doch sie und ihre Helfer haben jede Herausforderung gemeistert. Der Rundkurs, obwohl sehr flach, verlangte den Aktiven oft das Letzte ab. Aufgrund des frühen Veranstaltungstermins im April oder Anfang Mai war das Rennen oft durch schlechte Witterungsbedingungen geprägt: Dauerregen, heftiger Wind und Temperaturen manchmal nur wenige Grade über Null. Einmal, 1960, erreichten von 120 Startern der höchsten Leistungsklassen nur 21 das Ziel, obwohl der Wettbewerb um eine Runde (ca. 37 km) verkürzt wurde.

„Wenn es bei »Rund um die Braunkohle« geregnet hat – und das tat es meistens – konntest du nach dem Rennen die Klamotten in die Mülltonne werfen. An Waschen war nicht zu denken.“ erinnert sich Klaus Ampler. So kam es im Jahr 1968 zum vorerst letzten Rennen. Ein Neubeginn wurde 1986 gewagt.

Klaus Ampler

Wieder war es eine Betriebssportgemeinschaft, die BSG Aktivist Großzössen, die mit dem DTSB-Kreisvorstand Borna die Initiative ergriffen hatte und viele Akteure auf diesen Rundkurs zurückholte – bis zur letzten Auflage 1990, die erstmals nach 1955 wieder mit Fahrern aus der Bundesrepublik Deutschland gestartet wurde. Dazu waren auch Gäste aus Holland und der CSSR eingeladen. „Rund um die Braunkohle“ sah neben Siegern mit großen Namen auch Außenseiter, die sich auf dem höchsten Podest feiern ließen, aber auch schlechte Verlierer wie 1961, als es zwischen dem sowjetischen Friedensfahrt-Kandidaten Juri Melichow und Erich Hagen zu Handgreiflichkeiten kam. Doch beständig war immer die Begeisterung der Menschen, die zu Zehntausenden die Strecke „belagerten“.

Das ist die Schubkraft, der Antrieb und der Optimismus für die Organisatoren, die sich dem dritten Neubeginn verschrieben haben.